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Huskyfarm in Kauppinen, Kiruna

Sonntag, 3. Dezember 2017 - in Interessantes


Mein 6-wöchiger Aufenthalt auf der Huskyfarm von Jan und Dani in Schwedisch-Lappland ist nun vorüber. Es war einfach gandios! Nach und nach werde ich hier nun einen Bericht meiner Arbeit dort anfertigen. Vorab erst mal: Ich kann jedem nur empfehlen, dort eine Hundeschlittentour zu buchen! Und falls Sie dann eine Betreuung für Ihren Vierbeiner suchen wissen Sie ja, an wen Sie sich wenden können;-))

 

Für alle Interessierten:

https://www.whitetrailadventures.com/de

 

 

16.10.17

Ich trete in die winzige Ankunftshalle des Flughafens von Kiruna und sehe dort schon Nicole mit einem Schild, auf dem mein Name steht, stehen. Mein Gepäck erscheint fast zeitgleich auf dem Förderband, wie praktisch.

Draußen: Schneematsch, und ich durchnässe mir freilich sofort auf der kurzen Strecke zum Auto meine luftdurchlässigen Freizeitschuhe. Im Auto weist mich Nicole erst mal auf den scheinbar vehementen Hundegeruch hin, was ich aber gar nicht wahrnehme (Gewöhnung?).

Zur Farm ists nicht weit, 15 Minuten. Empfangen werde ich von über 70 Hunden.

Das Gästehaus, auch Musherlodge genannt, ist gemütlich. Irgendwie weiß ich gleich, dass ich mich hier wohlfühlen werde. Nicole zeigt mir den Subaru, der mir die nächsten 6 Wochen zur Verfügung stehen wird (was für ein Luxus!). 

Morgen heißt es auch schon arbeiten. Ich freu mich drauf. 

 

17.10.17

 

Morgens geht's los mit dem Füttern der Hunde. Da die Besitzer Jan und Dani zur Zeit im Urlaub sind, sind wir die nächsten 3 Wochen nur zu dritt (wenn man die Hunde nicht mitzählt): Nicole, Ramona und ich. Ramona kommt aus Rumänien und spricht so gut wie kein Deutsch. Ein paar Wörter hat sie jedoch schon von den deutschstämmigen Besitzern aufgeschnappt, und die sind dann immer ziemlich lustig: "Now I show you how to scheiße kratzen."

Ja, und um es vielleicht etwas "vornehmer" auszudrücken: Die "Zwinger putzen", das sollte man allerdings jeden Tag machen. Für gewöhnlich sind die Hunde zu zweit in jedem Zwinger. Reine Kettenhaltung, wie es sie in Norwegen gibt, ist hier zum Glück verboten. In jedem Zwinger gibt es 2 Hundeboxen, damit jeder Hund seinen eigenen Schlafplatz hat. Es ist aber verdammt süß mitanzusehen, wie einen morgens immer 2 hinausschauende Augenpaare aus der gleichen Schlafhütte einer einzigen Box ansehen. So aneinandergeschmiegt halten die Hunde sich gegenseitig warm. 

 

Das "Scheiße kratzen" ist übrigens auch so eine Wissenschaft für sich. Die Kothaufen sind ja bereits gefroren und man muss mit der Spitzhacke ziemlich kräftig draufhauen, um sie loszulösen. Dabei fliegt einem jedoch der Kot in kleinen vereisten Fetzen ins Gesicht und man muss sich nur immer daran erinnern, dass man den Mund besser immer geschlossen halten sollte;-) Dies ist aber immer noch angenehmer als die frische und flüssige Version, die die Hunde auch mal gern hinterlassen. Nein, darauf geh ich jetzt nicht weiter ein.

Tatsache ist aber, dass ich das "Scheiße kratzen" eigentlich sogar ziemlich gern mag. Es hat etwas Philosophisches, so seltsam es auch klingt. Und sofern nicht grad jemand in der Nähe ist, der die Hunde für eine Schlittenfahrt anspannt, ist es jetzt wunderbar ruhig, und man hat Zeit und Gelegenheit, sich mit diesen wunderbaren Tieren zu beschäftigen und mit ihnen zu kuscheln.

 

Bald darauf helfe ich mit, die Hunde vor das Quad zu spannen, setze mich hinter Nicole auf das zuvor auf dem Quad ausgebreitete Rentierfell und genieße meine erste Trainingstour mit 14 vorgespannten Hunden. 

 

 

 

Nachmittags gebe ich den Welpen zu fressen und lasse sie aus dem Zwinger, die Welt um sie herum erkunden. Es ist ungemein wichtig, dass sie jetzt möglichst viele verschiedene Erfahrungen sammeln und sich an alle möglichen Geräusche, Menschen, andere Hunde gewöhnen. Süß, wie sie mir so tapsig folgen und miteinander spielen.

Später bereiten wir das Abendessen für die Hunde zu und füttern sie. Das Futter besteht aus Rohfleisch von verschiedenen Tieren und etwas Trockenfutter. Das Ganze wird in einem Eimer mit Wasser aufgefüllt, kleingematscht und fertig ist die Fleischsuppe. Guten Appettit!

 

6 herrliche Wochen!

Irgendwie komme ich mir vor wie im Traum. Das Allerschönste sind natürlich die Trainingsfahrten mit den Hunden. War ich die ersten 3 Wochen mit dem Quad unterwegs (zuerst als zweite Person auf ein und demselben Quad, dann -endlich! - alleine), so können wir danach auf Schlitten umsteigen. Es ist sehr viel Schnee gefallen und die Temperaturen sinken allmählich von -15 auf -25 Grad und kälter. In Deutschland denken dann sicherlich viele Leute "oh Gott, wie kalt!". Die Kälte in Lappland fühlt sich aber anders an. In der Regel ist es eine sehr trockene Kälte, und das macht wirklich den Unterschied zu unseren Temperaturverhältnissen im Winter - wenn es denn überhaupt mal kalt wird - aus. In Deutschland friere ich mehr als dort.

 

 

Kalt kann es jedoch werden wenn man wie ich aus dem Haus heraus wunderbare Polarlichter entdeckt und nur mit Flippflipps, dünner Hose und hastig übergeworfener Jacke bekleidet, hinaus in die klare Winternacht stürzt, um schnell Fotos machen zu können, bevor die Lichter wieder schwächer werden. Irgendwie ist einem dann alles andere egal. Wer noch nie Polarlichter gesehen hat sollte allein deshalb schon mal in diese Regionen reisen.

Trainingstouren

Die täglichen Trainingstouren beginnen im Herbst und werden immer weiter verlängert bis die ersten Touristen kommen. Am Ende liegen wir bei ca 25 Kilometern pro Tour. Was gehört alles dazu? Zunächst werden die Hunde ausgewählt. Hierbei ist es natürlich wichtig, dass das Team gut miteinander harmoniert und zumindest die nebeneinander positionierten Hunde gut miteinander laufen können.

Die leaddogs - Leithunde - laufen natürlich vorne - zumindest wenn man alleine fährt oder die Guidefunktion übernimmt. Tendenziell laufen zwei kräftigere Hunde ganz hinten im Gespann, da sie es sind, die die meiste Kraft brauchen, um den Schlitten zu ziehen.

Ich positioniere den Schlitten an geeigneter Stelle und binde ihn an einem festen Pfahl an. Die Betonung liegt hier bei "fest", denn die Kräfte, welche das Hundegespann entwickeln kann, sind enorm, und es ist einfach nur besch... wenn sich die Hunde samt Schlitten losreißen und ihre eigene Tour drehen. Zum Glück ist mir das bisher nie passiert. Aber deshalb ist es auch ungemein wichtig, einen guten Knoten in das Seil an dem besagten Pfahl zu machen. Dieser Knoten muss aber so beschaffen sein, dass er sich durch das Aufziehen mit EINER Hand schnell lösen lässt. Mit der anderen Hand hält man sich am Schlitten fest. Hand IMMER am Schlitten - dies ist die wichtigste Regel, auch wenn man fällt. Ansonsten laufen die Hunde weiter und man selbst hat das Nachsehen.

Nachdem ich also den Knoten gemacht habe und vorsichtshalber noch den Anker geworfen habe, lege ich die Zugleine aus. Die Hunde werden nun schon nervös. Bald geht es ja los!

 

Die Geschirre müssen passend in Länge und Breite sein. Ich suche die richtigen Geschirre heraus und ziehe sie den Hunden an. Spätestens jetzt gibt es für diese kein Halten mehr und sie tun ihre Aufregung durch lautes Bellen, Jaulen und Winseln kund. Bereits fertig vorgespannt springen viele Hunde immer wieder nach vorn und ruckeln ganz schön stark am Schlitten, weshalb ja der besagte feste Knoten auch so wichtig ist. Nach und nach wird jeder Hund an seiner Position fixiert, wobei ich bei den Leithunden beginne und mich dann nach hinten durcharbeite. Ausgespannt wird dann entgegengesetzt - die hinteren Hunde zuerst. Dies hat den Grund, dass sich sonst die Zugleine leichter verheddern kann, denn im Idealfall haben die vorderen Hunde gelernt, ganz vorne ruhig stehen zu bleiben, so dass die Zugleine schön straff ist.

 

 

 

 

Beim Putzen der Zwinger lasse ich die Hunde gern in den großen Auslauf, damit sie ein wenig toben können. Das ist schön mitanzusehen. 

 

Jeder Hund hat seine Eigenarten. Es gibt die Kuschelhunde, die sofort Körperkontakt suchen. Und es gibt die scheuen Hunde, deren Vertrauen man sich erst einmal erarbeiten muss. Da reichen 6 Wochen oft gar nicht aus und man müsste ein halbes Jahr und länger bleiben, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Trotzdem, ich mag diese Hunde. Bei der scheuen Cindy habe ich es wenigstens geschafft, dass sie nun zumindest in ihren Zwinger zurückläuft, während ich neben der Tür stehe. Vorher musste ich immer weit, weit weg stehen, erst dann traute sie sich. Und Camo.. laut kläffend, unsicher immer mir ausweichend und nervös hin und her laufend, wagte er sich mit der Zeit dann doch immer näher an mich heran. Zum Schluss steckte er seine Hundeschnauze unter meinen Arm und genoss es, wenn ich ihn kraulte. Endlich! Ein Glücksgefühl! 

 

Ohne dass man es will hat man mit der Zeit doch so seine Lieblingshunde...


Camo (Hintergrund) und Äija

Frida (vorne), Cella (hinten links) und Gimli (rechts)

Ayla (links) und Hilma (rechts)

Fast alle Hunde aber hassen das Krallenschneiden! An dem Tag, als ich gerade dabei war, 74 Hunden die Krallen zu schneiden, kamen Jan und Dani von ihrem Urlaub zurück. Bombe! Nun hatte ich mich grad bei allen Hunden "beliebt" gemacht, kein Hund wollte mehr etwas von mir wissen, und grad an dem Tag kamen die Besitzer zurück, denen man ja eigentlich einen guten Eindruck von sich geben will. Ja! Alle Hunde lieben mich selbstverständlich! Nur heute nicht! ;-)

Nein, im Ernst, die Hunde nahmen das nicht länger übel. Auch nicht, als ich ihnen zusammen mit Ramona die Wurmkur verabreichte. Es gibt ja auch die tollen Dinge, über die sie sich wirklich freuen. Zum Beispiel wenn man die Boxen mit Stroh auffüllt. Wow, wie sie sich freuten und mit den einzelnen Halmen spielten! Nun war ich wieder im Rennen:-)

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